Stilistik im Gesangsunterricht. Eine Frage der Technik?

Stilistik im Gesangsunterricht. Eine Frage der Technik?

Immer wieder höre ich, dass man sich angeblich entscheiden muss, ob man nun Oper, Musical, Pop, Jazz, Rock, Chanson, Gospel oder Funk singen möchte.

-Alle Vertreter anderer Stile, die ich hier vergessen habe, möchten mir verzeihen und sich auch angesprochen fühlen.-

 

Klassik vs. Pop?

Gerade von klassischen Sängern habe ich schon oft gehört, dass sich klassischer Gesang und moderne Formen des Gesangs ausschließen. Viele scheinen sogar der Meinung zu sein, dass klassischer Gesang die einzige gesunde Form des Singens ist.

Viele klassische Sänger mit Stimmschäden, wie Sängerknötchen, widerlegen diese Hypothese, während es Sänger anderer Stile gibt, die bis ins hohe Alter singen können.

Kristin Chenoweth beweist mit "The Girl In 14G" eindrucksvoll, dass ein Sänger mehrere Stile des Gesangs beherrschen kann, und das ein Wechsel im Stil des Gesangs innerhalb von Sekundenbruchteilen.

 

Reicht eine Technik?

Ja, eine Technik reicht. Jene Technik nämlich, die es einem erlaubt, in verschiedenen Stilen zu singen. Ein guter Gesangslehrer ist in der Lage selbst verschiedene Stile zu bedienen, und bringt dies im Gesangsunterricht seinen Schülern bei.

Sicher, wenn der Klang anders ist, muss auch physiologisch eine Veränderung erfolgt sein. Wie bei jedem anderen Instrument, verändert auch die Gesangsstimme Ihren Klang, wenn man Sie anders spielt. Ich kann die Tasten eines Klavieres unterschiedlich stark anschlagen, Die Pedale betätigen oder nicht. Mit jeder Veränderung habe ich einen anderen Klang.

Die Saiten einer Gitarre kann ich unterschiedlich laut schlagen oder zupfen, zudem verrät der Klang, ob ich am Gitarrenhals den nötigen Druck auf die Saiten ausübe.

So ändert sich im Gesang der Klang der Stimme, mit höherem oder niedrigerem Druck der Luftsäule unterhalb der Stimmbänder, mit unterschiedlichen Zungen- und Kehlkopfpostitionen. Natürlich spielen noch mehr Faktoren dabei eine Rolle, aber genauere Beschreibungen würden den Rahmen dieses Artikels sprengen.

 

Vielfalt ist möglich/nötig

In dieser beeindruckenden Performance wechselt Kristin Chenoweth mit Leichtigkeit zwischen der leichten Funktion der Kopfstimme mit einer etwas tieferen Kehlopfpostition, die für einen wärmeren Klang verantwortlich ist, einer eher nasalen Sprech-Gesangsstimme, und einer abgedunkelten Gesangsstimme für den Jazz-Gesang. Sie nutzt Ihre Kopfstimme, Bruststimme und den Mix, ausgehend von einer natürlichen Sprechstimme. So sollten Gesangsstimmen im Gesangsunterricht ausgebildet werden. Mit einer solchen Technik, kann man nämlich jeden Stil singen!

 

München, den 30. Oktober 2012

Martin Daniel Selle                                                                    

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