Gesangswiki


Diese kleine Enzyklopädie soll dabei helfen, grundlegende Begriffe des Gesangs zu klären. Verschiedene Begriffe werden im Gesangsunterricht immer wieder auftauchen. Gerade Anfänger wissen oft nicht, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist. Im Gesangsunterricht können die auf dieser Seite erklärten Begriffe natürlich noch anschaulicher anhand von Beispielen erklärt werden. Für alle, die bisher keinen Gesangsunterricht haben, werde ich auf dieser Seite nach und nach die wichtigsten Begriffe aus dem Bereich der Stimmbildung kurz und knapp erklären. Ausführlichere Erklärungen gibt es zu manchen der hier genannten Begriffe im Gesangs Blog.


Ansatzrohr

Die Summe der Räume, die über den Stimmlippen liegen bezeichnet man als  Ansatzrohr.

Atmung

Die Atmung läuft normalerweise unwillkürlich ab und dient dem Gasaustausch. Sie dient der Aufnahmevon Sauerstoff und der Abatmung von Kohlendioxid.

Im Gesangsunterricht wird die Atmung geschult und das Atmen teilweise zu einem bewussten Vorgang.

Psychische Einflüsse wie Angst, Schreck oder Freude können Auswirkungen auf die Atmung haben. Beim Gedanken an eine wohlduftende Rose wird die Atmung anders sein, als bei dem Gedanken an eine beklemmende Situation. Die Einatmung kann sowohl durch Mund, als auch Nase geschehen, wobei die Nasenatmung den Vorteil hat, dass dabei die eingeatmete Luft erwärmt, gereinigt und befeuchtet wird, was für die Stimmbänder schonender ist. Die Einatmung durch den Mund geht dafür schneller, was von Vorteil sein kann, wenn nur eine kurze Pause zum Einatmen zur Verfügung steht.

 

Hochatmung

Bei der Hochatmung heben sich vor allem der Brustkorb und die Schultern. Meistens haben Sänger mit Hochatmung eine sehr hohe Muskelspannung, die in der Regel mit Stress zu erklären ist.

 

Tiefatmung

Bei der Tiefatmung senkt sich das Zwerchfell und drückt auf die darunter liegenden Organe, wodurch sich der Bauch nach außen wölbt, während sich der Brustkorb mit der sich ausdehnenden Lunge hebt. Die Tiefatmung ist die für Sänger angestrebte Form der Atmung.

Belten / Belting

Das Wort Belting kommt aus dem Englischen und steht für eine besonders laute und kraftvolle Art des Singens (to belt out a song – einen Song bläken, rausposaunen). Charakteristisch für das Belting ist, dass die Stimme auch oberhalb des Passagios (siehe Passaggio) den Klang der Bruststimme beibehält.

Das Belting ist in der Gesangspädagogik ein heiß diskutiertes Thema. Sämtliche Lehrmeinungen hier darzulegen, würde den Rahmen sprengen. Ich werde meine persönliche Meinung dazu demnächst in einem Blog-Eintrag ausführlicher darlegen.

Bridges

Der Begriff Bridges kommt aus dem Englischen und bedeutet Brücken. Mit den Bridges bezeichnet man gerne den Übergang zwischen zwei Registern (siehe Register). In der italienischen Gesangsschule werden die Bridges als Passaggi oder das Passaggio (Einzahl) bezeichnet. Das Wort Passaggio bedeutet übersetzt "Durchgang".

Bruststimme

Die Bruststimme ist eine bestimmte stimmliche Funktion. Sie heißt Bruststimme, weil die meisten Sänger beim Singen in der Bruststimme die Resonanz (Vibrieren) hauptsächlich auf der Brustplatte spüren. Der Ton wird natürlich dennoch im Kehlkopf produziert.

In der Bruststimme schwingen die Stimmlippen auf ganzer Länge, der Musculus Vocalis hat eine erhöhte Spannung, was dazu führt, dass die Stimmlippen mehr Masse haben. Mehr Masse bedeutet, dass etwas mehr Druck von der Luftsäule unterhalb der Stimmbänder benötigt wird, um die Stimmlippen zum Schwingen zu bringen. Gleichzeitig geht die Vibration bis tief in die Stimmlippen. Grundsätzlich können sowohl Männer als auch Frauen in der Bruststimme singen. Im Gesangsunterricht sollten die Kopf- und die Bruststimme trainiert werden.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier

Distortions

Das englische Wort Distortion heißt so viel wie „Verzerrung, Störung“. Eine Distortion ist also eine Verzerrung bzw. Störung im Klang, die aber in modernen Gesangsstilen durchaus beabsichtigt ist. Aretha Franklin und viele Rock und Heavy Metal Sänger nutzen gerne Distortions, um Ihre Stimme etwas rauer und emotionaler klingen zu lassen. Die Distortion sollte nicht mit den Stimmlippen verursacht werden, da dies zu Schäden an der Stimme führen kann (siehe Sängerknötchen). Im Gesangsunterricht kann man Techniken erlernen, die gesunde Distortions ermöglichen.

Gesangsformant

Der Gesangsformant ist ein Oberton (siehe Obertöne). Durch die richtige Einstellung der Resonanzräume bzw. das Absenken des Kehlkopfes kann ein geschulter Sänger mit einem Gesangsformanten oberhalb des Grundtones singen. Der Gesangsformant liegt bei ca. 3000 Hertz und hat damit eine deutlich höhere Ausprägung in dieser Frequenz als ein Orchester, was die unverstärkte Stimme eines Sängers laut genug erscheinen lässt, dass er über das Orchester hinweg gehört werden kann.

Intonation

Eine gute Intonation beim Singen bedeutet, dass der Sänger sehr genau die Höhe (Frequenz) des angepeilten Tones trifft. Sänger mit schlechter Intonation klingen für ein musikalisches Gehör „schief“.

Kehlkopf

Der Kehlkopf ist ein Konstrukt aus Knorpeln, Bändern, Muskeln, Bindegewebe und Schleimhaut. Vorne am Hals ist der Schildknorpel, der vordere Teil des Kehlkopfs, gut zu ertasten. Wenn man die Hand vorne auf den Hals legt und ein paar Mal schluckt, kann man fühlen, wie sich der Kehlkopf auf und ab bewegt. Der Kehlkopf wird beim Schlucken durch den Kehldeckel verschlossen, damit keine Nahrung in die Luftröhre gelangen kann. Horizontal im Kehlkopf liegen die Stimmbänder, die beim Singen den Klang erzeugen. In den meisten Gesangsschulen wird im Gesangsunterricht daran gearbeitet, dass der Kehlkopf während des Singens in einer neutralen Position verharrt. Steigt der Kehlkopf nämlich zu hoch, will der Kehldeckel den Kehlkopf verschließen. Das ist ein bisschen so, als würde man bei einem Konzert mit geschlossenem Motorradhelm auf dem Kopf singen.

Konsonanten

Konsonanten werden grundsätzlich in zwei Kategorien unterschieden, die stimmhaften und die stimmlosen Konsonanten. Bei den Stimmhaften Konsonanten schwingen die Stimmlippen und produzieren einen Ton, während die Stimmlippen bei den stimmlosen Konsonanten geöffnet sind.

Stimmhafte Konsonanten:

B

D

G

W

L

S

V

M

N

J

Boot

Dame

Gut

Wasser

Luft

Sahne

Vase

Mutter

Nase

Ja


Stimmlose Konsonanten

P

F

T

S

K

H

Post

Fax

Tisch

Kuss

Kunst

Hand


Kopfstimme

Die Kopfstimme ist eine bestimmt stimmliche Funktion. Sie heißt Kopfstimme, weil die meisten Sänger beim Singen in der Kopfstimme die Resonanz (Vibrieren) hauptsächlich am oberen Hinterkopf spüren. Der Ton wird natürlich dennoch im Kehlkopf von den Stimmlippen produziert.

Je höher ein Sänger oder eine Sängerin in der Kopfstimme singt, desto mehr spannen sich die Stimmlippen, die Masse im Stimmband nimmt ab, da sich der Musculus Vocalis entspannt. Die Vibration im Stimmband wandert zunehmend an die Randkanten und die Stimmlippen bleiben während des Singens zu zwei Dritteln geschlossen, während nur noch ein Drittel der Stimmlippen schwingt.

Grundsätzlich können sowohl Männer als auch Frauen in der Kopfstimme singen. Im Gesangsunterricht sollten die Brust- und die Kopfstimme trainiert werden.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier.

Nasalität

Es gibt Sänger, deren Stimme vom Klangeindruck in der Nase gefangen ist. Theo Lingen war zum Beispiel ein Schauspieler mit sehr nasaler Sprechstimme. Jeder, der einmal versucht, mit zugehaltener Nase zu singen, weiß, was mit Nasalität gemeint ist. Im Gesangsunterricht kann man die Nasalität durch Öffnen anderer Resonanzräume (siehe Resonanzräume), und eine etwas tiefere Kehlkopfpostition korrigieren.

Obertöne

Bei jedem gesungen Ton nehmen wir zunächst einen Ton wahr, der für uns die Tonhöhe bestimmt (Grundton). Es schwingen allerdings bei jedem produzierten Ton noch zahlreiche andere Töne mit, die um ein Vielfaches höher sind als der Grundton. Diese Töne werden als Obertöne bezeichnet. Die Obertöne sind verantwortlich für die Klangfarbe und die Tragfähigkeit (wahrgenommene Lautstärke) der Sängerstimme.

Passaggio

Das italienische Wort Passaggio bedeutet übersetzt "Durchgang" und beschreibt den Übergang zwischen zwei Registern (siehe Register). Die Passaggi werden in anderen Gesangsschulen auch gerne als Bridges bezeichnet (siehe Bridges).

Register

Der Begriff Register ist von der Orgel entlehnt. Im Gesangsunterricht benutzen wir den Begriff Register um gleichartige Klangbereiche in der Stimme zu beschreiben. Jeder, der schon einmal gesungen hat, wird festgestellt haben, dass gewisse Töne scheinbar zusammengehören. Wenn man mit einem tiefen Ton anfängt und dann Ton für Ton die Tonleiter hochsteigt, kann man die unterschiedlichen Register sehr gut spüren. Ziel der meisten Gesangsschulen ist es, unmerkliche Übergänge zwischen den Registern zu schaffen, so das eventuelle „Kiekser“ oder „Brüche“ im Klang ausbleiben. Man spricht dabei auch von Registerausgleich.

Registerausgleich

Mit dem Registerausgleich möchte man unmerkliche Übergänge zwischen den Registern schaffen, so das eventuelle „Kiekser“ oder „Brüche“ im Klang ausbleiben.

Resonanzräume

Jeder mit Luftgefüllte Hohlraum kann als Resonanzraum dienen. Bei Sängern sind das alle Hohlräume oberhalb der Stimmlippen. Wichtig zu erwähnen sind dabei der Mundraum, die Nasennebenhöhlen und die Stirnhöhlen. Jeder Hohlraum hat eine sogenannte Eigenfrequenz und kann zum Mitschwingen angeregt werden. Dieses Phänomen ist gut an einer Gitarre zu beobachen, wenn man die Saiten der Gitarre anschlägt und die Vibration am Körper der Gitarre spüren kann.

Sängerknötchen

Sängerknötchen sind unter Sängern, Schauspielern und allen anderen Berufsgruppen, die auf Ihre Stimme angewiesen sind, gefürchtet. Sie sind auch unter den Namen Knötchen oder Polypen bekannt. Mediziner würden wahrscheinlich von einer Phonationsverdickung der Stimmlippen sprechen.
So einfach wie möglich ausgedrückt, sind Knötchen Gewebsverdickungen an den Stimmlippen. Diese Verdickungen sind meist nicht größer als eine Stecknadelspitze. Sie können, ähnlich einer Blase, wässrig sein oder bindegewebig (fibrös).

Einen ausführlichen Artikel zum Thema Sängerknötchen finden Sie hier.

Simultaneinsatz

Der Simultaneinsatz ist nur möglich, wenn der Gesangseinsatz mit einem Vokal (siehe Vokal) beginnt. Beim Simultaneinsatz wird durch die geöffneten Stimmbänder eingeatmet. Der Stimmbandschluss und der Atemstrom setzen dann gleichzeitig ein (simultan). Dadurch klingt der Gesangseinsatz sehr sanft. Diese Technik wird im klassischen Gesang bevorzugt.

Stimmbänder

Die Stimmbänder liegen horizontal im Kehlkopf. Am vorderen Ende treffen Sie zusammen und sind mit dem Schildknorpel verwachsen. Am hinteren Ende sind Sie mit den Stellknorpeln verwachsen. Die Stimmbänder bestehen aus Bindegewebe und darüber liegender Schleimhaut.

Stimmlippen

Als Stimmlippen bezeichnet man die aus Bindegewebe und Schleimhaut bestehenden Stimmbänder und den daneben liegenden Musculus vocalis. Der Musculus vocalis ist ein Muskel, dessen Muskelfasern zopfartig miteinander verflochten sind. Durch An- und Entspannung des Musculus vocalis verändert sich die Dicke und die Spannung in den Stimmlippen, was zu Klangveränderungen führt. Wenn man auf der Gitarre oder am Klavier eine dicke Saite anschlägt produziert sie einen tieferen Ton als eine dünne Saite. Bei den Stimmlippen ist es genauso.

Stütze / Atemstütze / Support

Viele Begriffe, die dasselbe bedeuten. Die Stütze bezeichnet den Druck der Luftsäule unterhalb des Kehlkopfs und der Stimmlippen (subglottischer Druck). Singen ist eine Ausatembewegung. Beim Singen werden die Stimmlippen durch die aus der Lunge strömende Luft zum Schwingen gebracht. Je nach Lautstärke, Stimmlippendicke, Register und Tonhöhe sind die Spannungsverhältnisse in den Stimmlippen unterschiedlich und brauchen eine andere Unterstützung (Support) durch den Luftstrom. Um einen LKW anzuschieben braucht man ja auch mehr Kraft, als für ein Bobby-Car. Stütze ist dementsprechend nie statisch, sondern immer um Balance bemüht.

Tremolo

Das Tremolo ist eine extrem schnelle Schwankung in der Tonhöhe (Frequenz), die oft als meckernd empfunden wird.

Der Begriff Tremolo wird aber auch für eine extrem langsame Schwankung mit großen Ausschlägen in der Tonhöhe benutzt. Dieser Effekt wird im Englischen auch als „Wobble“ bezeichnet und tritt oft bei älteren Sängern auf, da die Muskulatur im Alter an Spannung und Elastizität verliert.

Vibrato

Das Vibrato ist eine Schwankung in der Tonhöhe, Lautstärke und Farbe der Stimme. Am stärksten fällt dem Zuhörer jedoch die Schwankung in der Tonhöhe auf. Diese Schwankung wird als angenehm empfunden, wenn Sie eine Frequenz von fünf bis sieben Hertz hat. Das sind fünf bis sieben vollständige Schwingungen pro Sekunde. Das Vibrato macht lang gehaltene Töne für den Zuhörer schöner. Studien haben gezeigt, dass perfekt intonierte (siehe Intonation), gerade Töne vom Zuhörer als unangenehm empfunden werden. Das Vibrato geht einher mit regelmäßigen Spannungsveränderungen in der Kehlkopfmuskulatur und der Atem-Kehlkopf-Balance, wodurch die Gesangsstimme leistungsfähiger wird. Auch das Vibrato ist eine Technik, die im Gesangsunterricht erlernt werden kann.

Vokal

Das Wort Vokal kommt von lateinischen vocalis (littera) - tönender Buchstabe. Das heißt, bei den Vokalen schwingen die Stimmlippen, wodurch ein Ton produziert wird. Die Vokale im Deutschen heißen: a, e , i, o, u, ä, ö, ü.

Die unterschiedlichen Vokale werden durch das Schwingen der Stimmlippen und der jeweiligen Einstellung der Zunge, Kieferöffnung und der Stellung des Lippenrings gebildet.

Vokaleinsatz

Der Vokaleinsatz geschieht in der Sprache ganz automatisch, wenn ein Vokal am Anfang eines Wortes steht. Sprechen Sie sich einfach einmal folgenden Satz laut vor: „Am Abend in einer alten Oper Erdbeeren essen ist aufregend.“.

Nach der Einatmung durch die offenen Stimmbänder schließen sie sich wieder und werden erst durch den Luftstrom von unten wieder geöffnet und zum Schwingen gebracht. Der Vokaleinsatz wird deshalb auch Sprengeinsatz genannt, weil die Luft die Stimmbänder förmlich auseinandersprengt. Dabei entsteht ein kleiner Klicklaut. In allen Stilen des Pop-Gesangs wird mit Vokaleinsatz gesungen. Im klassischen Gesang versucht man die Einsätze so sanft wie möglich zu machen (siehe Simultaneinsatz).

Wobble

Wobble ist der englische Begriff für ein Vibrato, dass sehr langsam ist und große Ausschläge in der Tonhöhe hat. Oft tritt dieses Phänomen bei älteren Sängern auf, da die Muskulatur im Alter an Spannung und Elastizität verliert.

Zwerchfell

Das Zwerchfell ist ein flacher Muskel (Muskelplatte), der unterhalb der Lunge liegt und diese vom unteren Teil des Körpers abtrennt. Im Ruhezustand ist das Zwerchfell nach oben gewölbt. Bei der Einatmung senkt es sich ab und geht mit der Ausatmung wieder zurück in den Ruhezustand. Für Sänger ist das Zwerchfell von großer Bedeutung, weil es maßgeblich den Druck der Luftsäule unterhalb der Stimmlippen beeinflusst. Aus diesem Grund versucht man, im Gesangsunterricht mit verschiedenen Übungen Kontrolle über die Zwerchfellaktivität zu erlangen.